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Sifa

Sifa – Sicherheitsfahrschaltung

Überwachung der Handlungsfähigkeit des Triebfahrzeugführers

Diese Website ist ein Schulprojekt. Die Inhalte können teilweise vereinfacht dargestellt und können fehlerhaft, unvollständig oder nicht mehr aktuell sein.

Die Sifa – Sicherheitsfahrschaltung überwacht anhand regelmäßiger Bedienhandlungen die Handlungsfähigkeit des Triebfahrzeugführers. Bleibt die erforderliche Reaktion aus, schaltet sie die Zugkraft ab und löst eine Zwangsbremsung aus.

Aufgabe

  • Sicherheitseinrichtung auf Triebfahrzeugen und Steuerwagen.
  • Soll verhindern, dass ein Zug bei Handlungsunfähigkeit des Tf unkontrolliert weiterfährt.
  • Kontrolliert, ob die vorgesehenen Bedienelemente regelmäßig betätigt und wieder losgelassen werden.
  • Erkennt sowohl ausbleibende Bedienung als auch zu lange Dauerbetätigung.

Aufbau und Komponenten

Komponenten der Sifa und ihre Aufgaben
KomponenteAufgabe
Fußtaster / PedalBedienung der Sifa mit dem Fuß
HandtasterAlternative Bedienung, beispielsweise im Knauf des Fahr-/Bremshebels
Weitere TasterJe nach Fahrzeug an seitlichen Bedienplätzen
Sifa-Logik / Zentrales Steuergerät (ZSG)Wertet Bedienhandlungen und Überwachungszeiten aus
WegimplusgeberErkennt ob das Fahrzeug fährt
Leuchtmelder (LM) / DisplayanzeigeOptische Warnung
Summer / LautsprecherAkustische Warnung oder Sprachausgabe „Sifa“"
Brems- und TraktionsschnittstelleSchaltet Zugkraft ab und veranlasst die Zwangsbremsung. Die genaue technische Umsetzung ist fahrzeugabhängig.
Prüftaster / DisplaymenüStartet einen Funktionstest der Sifa
  • Es sind die oben genannten Fahrzeugeinrichtungen erforderlich. An der Strecke sind für die Sifa keine Einrichtungen erforderlich.
Sifa-Pedal in einem Intercity-SteuerwagenFoto: Sebastian Terfloth · Lizenz: CC BY-SA 2.5Quelle und Download: Wikimedia Commons
Sifa-Leuchtmelder in einem ICE3Foto: TobiToaster · Lizenz: Public DomainQuelle und Download: Wikimedia Commons

Bedienung im Regelbetrieb

  • Während der Fahrt ein vorgesehenes Sifa-Bedienelement gedrückt halten.
  • In regelmäßigen Abständen kurz loslassen und erneut drücken.
  • Bei der üblichen Zeit-Zeit-Sifa rechtzeitig innerhalb des 35s-Intervalls bedienen.
  • Eine auftretende Warnung durch eine Sifa-Bedienhandlung unterbrechen.

Besonderheit Vectron:

Das Handbuch nennt neben den Sifa-Tastern auch bestimmte andere Bedienhandlungen als mögliche Anregung, etwa Stellungsänderungen des Fahr-/Bremshebels. 

Funktionsweise der Zeit-Zeit-Sifa

Dauerbetätigung

Warnstufen bei Dauerbetätigung am Beispiel der Baureihe 189
Zeit seit BeginnAblauf
Bis 30 SekundenÜberwachung läuft
Nach 30 SekundenOptische Warnung LM „Sifa“
Nach weiteren 2,5 SekundenZusätzlich akustische Warnung
Nach weiteren 2,5 Sekunden (insgesamt 35 Sekunden)Zugkraftabschaltung Zwangsbremsung und Nullstellungszwang

Nichtbetätigung

Warnstufen bei Nichtbetätigung am Beispiel der Baureihe 189
Dauer der NichtbetätigungAblauf
Nach 2,5 SekundenAkustische Warnung
Nach insgesamt 5 SekundenZugkraftabschaltung und Zwangsbremsung

Prüfung der Sifa

Konkretes Beispiel: Vossloh DE18 Stage V

gemäß Lokhandbuch

Fälligkeit:

  • Prüfung vor Betriebsaufnahme, spätestens alle 24 Stunden

Voraussetzungen:

  • Lokomotive steht
  • Federspeicherbremse ist angelegt
  • Absperrhähne der HLL-Entlüftungsventile sind geöffnet
  • Hauptluftleitung ist mit 5,0 bar gefüllt
Sifa-Prüfung am Beispiel DE18 Stage V
PrüfabschnittBedienun
DauerbetätigungEinen Sifa-Taster dauerhaft betätigen; Meldung „SIFA-Testlauf aktiv“ im Multifunktionsdisplay (MFD) kontrollieren
Warnstufen beobachtenNach 30 s Leuchtmelder; nach weiteren 2,5 s Summer; nach weiteren 2,5 s Zwangsbremsung
BremseingriffSifa-Leuchtmelder blinkt; Meldung „ZB: SIFA“ im MFD; HLL wird entlüftet
Test zurücksetzenSifa-Taster gemäß Handbuch betätigen; Führerbremsventil in „LÖ“ legen und halten; HLL-Druck steigt wieder auf 5,0 bar
NichtbetätigungDrucktaster „SIFA Test“ betätigen; keinen Sifa-Taster bedienen
Reaktion beobachtenNach 2,5 s Leuchtmelder und Summer; nach weiteren 2,5 s HLL-Druck auf 0 bar
AbschlussQuittieren und Bremse lösen
Meldung „SIFA-Testlauf aktiv“ im MultifunktionsdisplayFoto: Raphael Baumann · Lizenz: CC BY-SA 4.0Die Anzeige entspricht der in der Tabelle genannten Meldung „SIFA-Testlauf aktiv“.

Bauarten

Bauarten der Sicherheitsfahrschaltung
BauartGrundprinzip
Zeit-Zeit-SifaÜberwachung und weitere Warn- beziehungsweise Eingriffsfristen zeitabhängig; Schwerpunkt dieser Seite
Zeit-Weg-SifaKombination zeit- und wegabhängiger Überwachung
Weg-Weg-SifaÜberwachungsabläufe an zurückgelegte Wegstrecken gekoppelt
Aufforderungs-SifaFordert den Triebfahrzeugführer in zufällig gewählten Zeitabständen zur Betätigung eines Sifa-Bedienelements auf.
Zeit-Weg-SifaInnenleben einer mechanischen Zeit-Weg-Sifa von BBC an einer Lokomotive der Baureihe V 60.Foto: Tobias Deichfischer · Lizenz: CC0Quelle und Download: Wikimedia CommonsDas Foto zeigt eine mechanische Zeit-Weg-Sifa. Auf der Quellseite sind einzelne Bauteile durch Bildmarkierungen erläutert.

Sifa im Vergleich zu PZB, LZB und ETCS

  • Die Sifa überwacht die allgemeine Handlungsfähigkeit des Tf
  • PZB, LZB und ETCS überwachen dagegen unter anderem Einhaltung von Fahrvorgaben
  • Die Sifa benötigt keine streckenseitige Einrichtung
  • Alle anderen Systeme benötigen streckenseitige Einrichtungen
Fahrzeugführerüberwachung: Sifa
Zugbeeinflussung: PZB, LZB und ETCS

Vorteile, Risiken, Kosten und Zukunft

Vorteile

  • Automatische Zwangsbremsung bei ausbleibender Bedienreaktion
  • Zusätzliche Absicherung bei Handlungsunfähigkeit des Tf
  • Keine streckenseitigen Einrichtungen erforderlich
  • Ergänzung zu PZB, LZB und ETCS

Risiken

  • Keine direkte Erkennung von Aufmerksamkeit oder Gesundheitszustand
  • Gewohnheitsmäßige Bedienung ohne bewusste Wahrnehmung möglich

Kosten

  • Aufwand und Kosten für Einbau und Einbindung in das Fahrzeug
  • Laufende Kosten für Prüfungen, Wartung und Reparaturen
  • Kein zusätzlicher Ausbau der Strecke notwendig

Zukunft

  • Weiterhin relevant bei Fahrten unter Verantwortung eines Tf

Geschichtliche Entwicklung

  • Entwicklung aus Einrichtungen zur Absicherung gegen den Ausfall des Fahrzeugführers.
  • Regelmäßige Bedienwechsel sollen verhindern, dass eine dauerhaft gedrückte Taste als ausreichende Bedienung gilt.
  • 1955 nennt DEUTA in seiner Unternehmensfestschrift einen eigenen Sifa-Prototyp. Das ist ein Herstellermeilenstein, kein allgemeines Erfindungsdatum.
  • Später entstanden unterschiedliche zeit- und wegabhängige Bauarten sowie Aufforderungssysteme.
  • Heute erfolgt die Umsetzung elektronisch und teilweise direkt in der Fahrzeugsteuerung.

Der genannte DEUTA-Meilenstein liegt im Jahr 2026 bereits 71 Jahre zurück. Die Sifa ist damit seit vielen Jahrzehnten etablierte Sicherheitstechnik.

Quellen und Bildnachweise

Bildnachweise