Die LZB – Linienförmige Zugbeeinflussung – überträgt fortlaufend Informationen zwischen Strecke und Fahrzeug. Sie zeigt Führungsgrößen im Führerraum an und überwacht die Fahrt.
Aufgabe der LZB
- Kontinuierliche Überwachung der Geschwindigkeit.
- Anzeige der zulässigen Geschwindigkeit, der Zielgeschwindigkeit und der Zielentfernung im Führerraum.
- Automatischer Bremseingriff beim Überschreiten der Eingriffsgrenzen.
- Ermöglicht anzeigegeführte Zugfahrten. Auch mit Geschwindigkeiten über 160 km/h.
Zusammenhang mit der AFB
- LZB: Gibt Führungsgrößen vor und überwacht deren Einhaltung.
- AFB: Regelt bei entsprechender Fahrzeugausrüstung Zugkraft und Bremse unter Berücksichtigung der LZB-Vorgaben.
- LZB-Führung ist auch ohne AFB möglich; der Tf bleibt für die ordnungsgemäße Fahrt verantwortlich.
Ausrüstung und Datenübertragung
Streckenseitige Komponenten
| Komponente | Aufgabe |
|---|---|
| LZB-Streckenzentrale | Verarbeitet Strecken- und Zugdaten; ermittelt die Führungsgrößen |
| Verbindung zum Stellwerk | Übernimmt Informationen über gesicherte Fahrwege und Signalzustände |
| Streckengeräte | Verbinden die Zentrale mit den Linienleiterschleifen |
| Linienleiter im Gleis | Überträgt Daten zwischen Strecke und Fahrzeug |
| Gleisfreimeldeanlagen | Stellen fest, welche Gleisabschnitte frei beziehungsweise besetzt sind |
| LZB-Bereichskennzeichen | Kennzeichnet beispielsweise den Beginn eines LZB-Bereichs |
| Blockkennzeichen | Kennzeichnet zusätzliche Blockstellen für anzeigegeführte Züge |
- Ein Kabel verläuft etwa in der Gleismitte, das andere am Schienenfuß.
- Die Kabel wechseln normalerweise alle 100 m ihre Lage.
- Diese Kreuzungsstellen dienen als Wegmarken zur Korrektur der fahrzeugseitigen Wegmessung.
Fahrzeugseitige Komponenten
| Komponente | Aufgabe |
|---|---|
| Sende- und Empfangsantennen | Datenaustausch mit dem Linienleiter |
| LZB-Fahrzeuggerät | Verarbeitet Informationen, überwacht die Fahrt und steuert Anzeigen |
| Weg- und Geschwindigkeitserfassung | Ermittelt zurückgelegten Weg und Istgeschwindigkeit |
| Dateneingabeeinrichtung | Eingabe der Zugdaten |
| MFA beziehungsweise MFD | Anzeige von Führungsgrößen, Leuchtmeldern und gegebenenfalls Textmeldungen |
| Bedientaster und Schalter | Quittierungen und Systembedienung |
| Bremsschnittstelle, beispielsweise Bremswirkgruppe oder Schnellbremsschleife | Setzt die Bremsanforderung der LZB über die fahrzeugspezifische Bremsansteuerung um. |
| Akustische Einrichtungen | Schnarre, Tongeber oder Sprachausgabe |
Die technische Umsetzung unterscheidet sich je nach Fahrzeug.
Datenfluss
Stellwerk und Gleisfreimeldung
Fahrwege, Signalzustände und Belegung der Gleisabschnitte
Streckenprofil
Hinterlegte Streckendaten der LZB-Zentrale
LZB-Streckenzentrale
Verarbeitet diese Informationen zusammen mit den gemeldeten Zugdaten
Streckengeräte, Linienleiter und Fahrzeugantennen
Datenaustausch zwischen Strecke und Fahrzeug
LZB-Fahrzeuggerät
Steuert die Anzeigen und überwacht die Fahrt; fordert bei Bedarf eine Bremsung an
Die Übertragung zwischen Linienleiter und Fahrzeugantennen erfolgt induktiv. Die regelmäßig angeordneten Kreuzungsstellen des Linienleiters dienen der Korrektur der fahrzeugseitigen Wegmessung.
Vollblock und Teilblock
- Vollblock: Blockabschnitte zwischen Hauptsignalen.
- Teilblock: Zusätzliche Unterteilung für anzeigegeführte Züge; dadurch sind kürzere Zugfolgeabstände möglich.
- Zusätzliche LZB-Blockstellen werden durch Blockkennzeichen gekennzeichnet. Auch Teilblöcke haben feste Grenzen.
Führungsgrößen und Bremskurve
| Führungsgröße | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| vSoll | Momentan durch die LZB zugelassene Geschwindigkeit | Jetzt höchstens 100 km/h |
| vZiel | Am Zielpunkt einzuhaltende Geschwindigkeit | Dort höchstens 60 km/h |
| ZE | Entfernung zum Zielpunkt | Noch 2000 m |
- vIst ist die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit.
- vZiel = 0 km/h kündigt einen Halt an.
- Zusätzliche niedrigere betriebliche Geschwindigkeitsvorgaben bleiben zu beachten.
So funktioniert die Bremskurve
- 1. Ziel ankündigen: Die LZB zeigt beispielsweise 60 km/h in 2000 m an.
- 2. Annäherung überwachen: Die Zielentfernung nimmt ab. Der erforderliche Bremsverlauf berücksichtigt das Bremsvermögen des Zuges und die Streckenverhältnisse.
- 3. Geschwindigkeit abbauen: Im Bremsbereich sinkt vSoll. Der Tf bremst rechtzeitig beziehungsweise überwacht die AFB-Regelung.
- 4. Ziel erreichen: Am Zielpunkt müssen die geforderten 60 km/h eingehalten werden.
- Bei zu hoher Geschwindigkeit warnt die LZB; beim Erreichen der Eingriffsgrenze veranlasst sie eine Zwangsbremsung.
- Bei einer anschließenden Geschwindigkeitserhöhung wird die eingegebene Zuglänge berücksichtigt.
Bedienung und Anzeigen
Die LZB verwendet häufig dieselben drei Taster wie die PZB, jedoch mit anderen Funktionen.
| Bedienelement | Verwendung bei der LZB |
|---|---|
| Frei | Beispielsweise LZB-Ende oder einen LZB-Vorsichtauftrag quittieren |
| Wachsam | LZB-Gegengleisfahrauftrag quittieren |
| Befehl | Bedienung bei einer nach den betrieblichen Regeln zugelassenen Weiterfahrt an einem LZB-Halt; die Tastenbedienung allein erteilt keine Zustimmung. |
| Zugdateneingabe | Zugdaten einstellen und kontrollieren |
| PZB/LZB-Hauptschalter | Fahrzeuggerät ein- beziehungsweise ausschalten |
| LZB-Störschalter | LZB-Funktion abschalten; im normalen LZB-Betrieb nicht betätigt |
Schalter und Eingabeeinrichtungen unterscheiden sich je nach Bauform des Fahrzeugs.
Wichtige Anzeigen
| Anzeige | Bedeutung |
|---|---|
| B leuchtet | LZB-Fahrzeugeinrichtung betriebsbereit |
| Ü leuchtet | LZB-Führung aktiv |
| G leuchtet | Bremseinsatzpunkt erwarten; rechtzeitig bremsen |
| G blinkt | Geschwindigkeitsüberschreitung |
| Ende blinkt | LZB-Ende angekündigt; innerhalb von 10 Sekunden mit Frei quittieren |
| Ende leuchtet | Ende-Ankündigung quittiert |
Betriebsbereitschaft allein bedeutet noch keine LZB-Führung. Je nach Anzeigeeinrichtung ergänzen oder ersetzen Textmeldungen einzelne Leuchtmelder.
- S: LZB-Zwangsbremsung.
- H: LZB-Halt überfahren.
Weitere LZB-Aufträge
| Anzeige/Auftrag | Bedeutung und Bedienung |
|---|---|
| E 40 leuchtet | LZB-Ersatzauftrag; keine Quittierung erforderlich |
| E 40 blinkt | LZB-Gegengleisfahrauftrag; mit Wachsam quittieren |
| V 40 blinkt | LZB-Vorsichtauftrag; mit Frei quittieren |
| V 40 leuchtet | Vorsichtauftrag quittiert; Fahren auf Sicht |
| EL leuchtet | Auftrag zum Ausschalten des Fahrzeughauptschalters |
| LZB-Nachfahrauftrag | Akustisch unterstützter Auftrag bei LZB-Fahrt; bei entsprechender Anzeige zusätzlich als Textmeldung dargestellt |
- Das Erlöschen von V 40 beendet die betriebliche Verpflichtung zum Fahren auf Sicht nicht automatisch.
- Bei EL ist der elektrische Fahrzeughauptschalter gemeint. Wiedereinschalten erst nach Ende der Anzeige und Akustik sowie nach Verlassen der Schutzstrecke durch alle arbeitenden elektrischen Triebfahrzeuge.
Benutzung im Regelbetrieb
Vor der Fahrt
- Betriebsbereitschaft und vorgeschriebenen Prüflauf sicherstellen.
- Zugdaten anhand der gültigen Einstelltabelle eingeben und kontrollieren:
- BRA: Bremsart.
- BRH: Einstellwert für das Bremsvermögen gemäß Einstelltabelle.
- ZL: Zuglänge.
- VMZ: Maximale Zuggeschwindigkeit.
- Die Zuglänge nach der jeweiligen Eingabevorgabe aufrunden.
- Für die LZB-Aufnahme ist grundsätzlich ein BRH-Einstellwert von mindestens 60 erforderlich; der Einstellwert wird anhand der gültigen Einstelltabelle bestimmt.
Aufnahme in die LZB-Führung
- Erfolgt bei erfüllten Voraussetzungen automatisch an dafür eingerichteten Stellen.
- Keine besondere Quittierung zur Aufnahme erforderlich.
- Erkennbar an B und Ü in Dauerlicht, angezeigten Führungsgrößen und Erlöschen der normalen PZB-Zugartanzeigen.
- Das Befahren eines LZB-Bereichs allein bedeutet noch keine LZB-Führung. Entscheidend sind die entsprechenden Anzeigen im Führerraum.
Während der Fahrt
- Führungsgrößen und Leuchtmelder beobachten.
- Geschwindigkeit rechtzeitig anpassen und angeforderte Bedienhandlungen ausführen.
- Ein tatsächlich Halt zeigendes Hauptsignal darf nicht allein wegen positiver Führungsgrößen überfahren werden; erforderliche zusätzliche Zustimmung beachten.
LZB-Ende
- Ende-Ankündigung erkennen.
- Innerhalb von 10 Sekunden mit Frei quittieren.
- Ab der Quittierung Signale und Fahrplan für die anschließende Fahrt beachten und die Geschwindigkeit entsprechend einrichten.
- Am Ausstiegspunkt erfolgt der Übergang zur Signalführung und PZB-Überwachung.
Die Quittierung beendet die LZB-Führung noch nicht sofort.
Wie wird die LZB geprüft?
- Prüffristen und Ablauf richten sich nach Fahrzeughandbuch und den geltenden EVU-Vorgaben.
- Häufig werden PZB und LZB gemeinsam geprüft.
Zu prüfende Anzeigen
- Zielentfernung (ZE): 1200 m
- vZiel 120 km/h
- vSoll 115 km/h
- vorgesehene Leuchtmelder
- mindestens zwei Bremseingriffe
Details unterscheiden sich je nach Fahrzeug
Beispiel: Vectron BR 193, Variante A40
- Fahrzeug im Stillstand mit direkter Bremse oder Federspeicherbremse sichern.
- Führerraum aktivieren; Führerbremsventil aufgesperrt und in Fahrstellung, Fahrtrichtung Vorwärts.
- Voraussetzungen der jeweiligen Systemkonfiguration beachten; keine LZB-Führung und keine überlagerten Prüfläufe oder anderweitig angeforderte HL-Entlüftung.
- Am CCD über Data → LZB/PZB → Test den Prüflauf starten.
- Anzeigen, Zwangsbremsanforderung und die tatsächliche Druckabsenkung der Hauptluftleitung auf Schnellbremsniveau kontrollieren.
- Bei Betrieb unter ETCS den erfolgreichen Prüflauf am CCD quittieren. Im Standalone-Betrieb entfällt diese abschließende Quittierung.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Gemeinsamkeit: Wie PZB und ETCS überwacht die LZB die Zugfahrt und kann automatisch bremsen.
Besonderheit: Kontinuierlicher Datenaustausch über Linienleiter; Geschwindigkeit und Fahrtziel werden im Führerraum angezeigt.
Vorteile, Grenzen, Kosten und Zukunft
- Vorteile: Bewährte Technik mit kontinuierlicher Überwachung und vorausschauenden Führerraumanzeigen; ermöglicht hohe Geschwindigkeiten und bei entsprechender Streckenausrüstung kürzere Zugfolgen.
- Grenzen: Richtige Zugdaten und funktionsfähige Fahrzeug- und Streckenausrüstung erforderlich; Linienleiter können beispielsweise bei Gleisarbeiten beschädigt werden.
- Kosten: Aufwand für Linienleiter, Streckengeräte, Fahrzeugausrüstung, Zulassung und Instandhaltung. Die Kosten hängen vom jeweiligen Ausbau- oder Umrüstungsprojekt ab.
- Zukunft: Auf Bestandsstrecken weiterhin relevant; langfristig ist die schrittweise Ablösung durch ETCS vorgesehen.
Geschichte und CIR-ELKE
- 1965: Einsatz bei 200-km/h-Fahrten zwischen München und Augsburg.
- CIR-ELKE: Weiterentwicklung zur besseren Ausnutzung der Strecken, unter anderem durch optimierte Teilblöcke und Geschwindigkeitsführung.
- 2024: DB InfraGO meldet die abgeschlossene Hochrüstung ihrer LZB-Strecken auf CIR-ELKE.
Quellen und Bildnachweise
Textquellen
- DB InfraGO: Richtlinie 483.0201 – LZB-Fahrzeugeinrichtung bedienen; Allgemeiner Teil, gültig ab 14.12.2025
- DB InfraGO: Richtlinie 483.0202 – LZB-Fahrzeugeinrichtung bedienen; Führerraumanzeigen und Bedienung, gültig ab 14.12.2025
- Einar Magnus Görgen: Einar erklärt Eisenbahn – Kompendium LZB CIR-ELKE
- DB InfraGO: Abgeschlossene Hochrüstung aller LZB-Strecken auf CE, 10.10.2024
- Deutsche Bahn: Zwischenbericht 2026 – Digitalisierung und Innovation bei DB InfraGO
- TU Braunschweig: 50 Jahre LZB – Eine Erfolgsgeschichte deutscher Eisenbahntechnik
Bildnachweise
- LZB-Linienleiter mit Kreuzungsstelle im Gleis: S. Terfloth, CC BY-SA 2.0 DE. Originalquelle: Wikimedia Commons
- LZB-Blockkennzeichen an der Schnellfahrstrecke Ingolstadt–Nürnberg: Sebastian Terfloth, CC BY-SA 2.5. Originalquelle: Wikimedia Commons
- LZB-Antenne an einer Lokomotive der Baureihe 189: Sebastian Terfloth, CC BY-SA 3.0. Originalquelle: Wikimedia Commons
- Multifunktionsanzeige eines ICE 2 im LZB-Betrieb: bigbug21, CC BY-SA 2.5. Originalquelle: Wikimedia Commons
- Datenfluss der LZB: eigene schematische Darstellung auf Grundlage der aufgeführten Fachquellen.